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Volvo P1800 ES: Der “Schneewittchensarg”

Montag, 5. Juli 2010

Volvo P1800 ES

Der Volvo P1800 ES ist ein Kombi-Coupé des schwedischen Automobilherstellers Volvo und wurde von 1971 bis 1973 produziert. Aufgrund des Designs und der großen Heckklappe aus Glas, entwickelte sich in Deutschland der Spitzname „Schneewittchensarg“. Erstaunlicherweise sorgte der Begriff „Sarg“ bei den Käufern nie für ein schlechtes Image.

Seit den 60er Jahren wurde das Sportcoupé P1800 nur geringfügig verändert, daher entschied man sich den hauseigenen Designer Jan Wilsgaard mit dem Entwurf einer neuen Heckpartie zu beauftragen. Eine wichtige Eigenschaft sollte die mühelose Unterbringung einer Golfausrüstung sein, um damit die amerikanische Zielgruppe besser anzusprechen zu können. Die inoffizielle Begründung für die Entwicklung eines Sportkombis war die zu Beginn der 70er eingeführte Steuererhöhung für Sportwagen in den Vereinigten Staaten. Mit dem P1800 ES konnten die Amerikaner einen Sportkombi zu wesentlich günstigeren Konditionen fahren als mit anderen Fahrzeugen aus dieser Kategorie.

Im Jahr 1971 wurde dann der P1800 ES der Öffentlichkeit präsentiert. Sowohl für den europäischen als auch für den amerikanischen Markt wurde ein 4-Zylinder-Reihenmotor verwendet. Es gab lediglich Unterschiede bei der Leistung und der Endgeschwindigkeit. Während der europäische Motor über 126PS verfügte und knapp 190 km/h schaffte, hatte die amerikanische Variante nur 115PS und maximal 180 km/h. Durch das Design, der damals originellen Dachkonstruktion mit der kombiähnlichen Dachkuppel, ähnelte er keinem bis dato produziertem Sportwagen. Was den 1800 ES von den anderen unterschied, war vor allem das viele Glas: Große Seitenscheiben unter dem lang gezogenen Dach sorgten für mehr Übersichtlichkeit im Straßenverkehr.

Vom Volvo P1800 ES wurden wegen des damals hohen Preises bis 1973 nur 8.077 Stück gebaut.

Ford Taunus: Der Barocktaunus

Freitag, 11. Juni 2010

Ford Taunus 17M

Der Ford Taunus 17 M war ein Pkw der Mittelklasse, der von den deutschen Ford-Werken zwischen 1957 und 1960 hergestellt wurde. Dieses Model wurde auch „Barocktaunus“ genannt. Nach dem kleineren 12M wurde er bei Ford in Köln als zweite Neukonstruktion nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Codenamen „Projekt 2“ entwickelt. Aus diesem Grund wird der Wagen auch als Taunus P2 bezeichnet. Im dreijährigen Produktionszeitraum wurden ca. 240.000 Fahrzeuge des Typs 17 M hergestellt, die bereits 1960 vom schlichter gestalteten Taunus P 3 („Badewannentaunus“) ersetzt wurden.

Erste Pläne für den neuen Mittelklasse-Wagen stammten vom Frühjahr 1955. Eigentlich sollte der Motor des damals neuen Taunus 15M mit 1,5 Litern Hubraum und 55PS Leistung eingebaut werden, aber die neue Karosse wurde so groß und schwer, dass die Fahrleistungen unter denen des kleineren Taunus 15M lagen. Kurzerhand wurde durch eine Hubraumvergrößerung auf 1,7 Liter die Motorleistung auf 60PS gesteigert. Als erster Mittelklasse-Wagen, der die Kölner Werkshallen nach dem Krieg verließ, erhielt das Auto mehrere Spitznamen, wie z.B. „Gelsenkirchener Barock“ und „Fliegender Teppich“. Man nannte ihn „Fliegender Teppich“, weil die – auch französischen – Ingenieure damals alles versuchten, um das Fahrwerk des französischen Ford Vedette zu kopieren und in einen Mini-Straßenkreuzer à la Ford Fairlane zu plazieren. Die Vedette besaß bereits McPherson-Federbeine, und so war der Taunus 17M 1957 das erste deutsche Auto, das mit diesem bis heute für hohen Fahrkomfort bei niedrigen Kosten stehenden Standard ausgerüstet war. Die Karosserie wurde mit üppigem Chromschmuck, Foreward-Design und Heckflossen im Stil der US-Straßenkreuzer ausgestattet. Dieses Design war zu der Zeit einzigartig. Neben der Standard-Ausführung wurde noch ein 17 M deLuxe angeboten, der mit einer Zwei-Farben-Lackierung, einer Innenausstattung mit Brokatstoff und noch etwas mehr Chrom ausgestattet wurde.

Den 17M gab es als zweitürige (T), viertürige (F), Kasten- (KA) und Kombi-Variante (KO), wobei die deLuxe-Version (L) auch gehobene Ansprüche befriedigen konnte. Entsprechend stand die Typbezeichnung CL für die überaus seltene Cabriolet-Version, die vom Karosseriebauer Deutsch in Köln-Braunsfeld gefertigt wurde. Hinsichtlich der Karosserie hatte der Barocktaunus in allen Varianten überaus viel zu bieten. Neben ausladenden Karosserieüberhängen, Peilkanten vorn und hinten, gab es – in der deLuxe-Version – einen üppigen Chromschmuck, das ihm dem Namen „Gelsenkirchener Barock“ einbrachte. Zur Kraftübertragung konnte entweder die automatischen Kupplung „Saxomat“ oder der BorgWarner „Overdrive“geordert werden, die das amerikanische Flair und den Fahrkomfort noch verstärkten.

Zum Modelljahr 1960 erfuhren die Modelle leichte Überarbeitungen. Anstatt eines Faltdaches gab es nun ein Stahlschiebedach und das Dach als solches war 3cm niedriger als vorher. Die Chromleisten der Armaturen waren nun senk-und waagerecht geriffelt und an den Vorderkotflügeln wurde das Kölner Wappen angebracht. Außerdem war das auf Wunsch erhältliche Vierganggetriebe nun vollsynchronisiert. Die Basismodelle erhielten nun auch den einteiligen Kühlergrill des DeLuxe-Modells, der bisherige Grill entfiel.

Der Taunus 17M P 2 wurde in 239.978 Exemplaren, darunter 45.468 mal als Kombi, produziet und unter anderem auch in die USA verschifft. Sein populärer Nachfolger P3 war wesentlich moderner gestaltet und stellte den P2 als Gebrauchtwagen schnell in den Schatten, da dieser im Vergleich zu altmodisch wirkte. Ein P2 in gutem Zustand ist eine absolute Rarität, wofür es kaum noch Ersatzteile gibt.

Durch sein extremes 50er-Jahre-Design wurde das Auto schon in den frühen 60er Jahren unbeliebt und hatte ein schlechtes Image. Dies sowie die hohe Rostanfälligkeit ließen den Wagen recht schnell aus dem deutschen Straßenbild verschwinden.

Lloyd 300: Der “Leukoplastbomber”

Mittwoch, 9. Juni 2010

lloyd 300 (LP)

Der Lloyd 300 war das erste PKW-Modell der 1949 gegründeten Lloyd Motoren Werke. Aufgrund seiner mit Kunstleder bezogenen Sperrholzkarosserie wurde das Fahrzeug später auch als „Leukoplastbomber“ verspottet. Den Lloyd 300 gab es in drei Varianten: Personenwagen (LP), Coupé (LC) und Kombi (LS). Sein Zweizylinder-Zweitakt-Motor leistete bei einem Hubraum von 293 ccm 10 PS. Damit war eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h erreichbar. Zunächst noch in einer Halle des Goliath-Werkes am Hastedter Osterdeich montiert, wurde die Produktion ab 1951 am Lloyd-Stammsitz in der Bremer Neustadt durchgeführt. Die ersten Modelle sind von den späteren durch eine kleinere Motorhaube zu unterscheiden. Erzählungen nach soll der Lloyd ein Produkt des kalten Krieges sein. Glaubt man launigen Anekdoten, ist der Lloyd ein denkwürdiges Plaste-Elaste-Resultat des Kalten Krieges. Im Jahr 1950 soll Carl Borgward mitbekommen haben, dass ein ostdeutscher Spion seine Bremer Automobilfabrik auskundschaftet. Um die Ostdeutschen auf den Arm zu nehmen, bauten die Borgward-Ingenieure unter Leitung des verrückt-genialen Tüftlers ein seltsames kleines Auto zusammen. Angesichts des fertigen Vehikels wollten die Borgward-Leitung dann selbst nicht mehr glauben, dass die Genossen diesen skurrile Auto mit Plastehaut als Erlkönig ernst nehmen würden. Sieben Jahre später lief in Zwickau der erste Trabbi vom Band. Und die Ähnlichkeit war erstaunlich.

Die Nachkriegsdeutschen im  Westen schlossen den im Jahr 1950 präsentierten Lloyd 300 sofort ins Herz. Der erste echte Kleinwagen bot vier Personen Platz, verbrauchte niedrige 5,5 Liter und kostete nur knapp über 3.000 Mark.  Den Käfer von VW konnten sich dagegen nur Ärzte und höhere Beamte leisten. Borgward  bewarb das Auto in den Wochenschauen als „Ein Traummobil“, der  ”Lloyd für kleine Leute”. Als wichtigstes Pannenwerkzeug im Lloyd diente eine Rolle Klebeband. Jeder “Schaden” in der Kunstleder-Karosserie konnte an Ort und Stelle perfekt behoben werden. Neben “Schneewittchensärgen” und “Knutschkugeln” wurde der Lloyd als “Leukoplastbomber” bezeichnet. Insgesamt 350.000 Mal wurde das 75 km/h schnelle Auto gefertigt,  obwohl die Besserverdienenden über Lloyd lästerten: “Nur wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd.” Zusammen mit dem legendären Goliath-Dreirad, das seit 1924 ein unverzichtbarer Lastesel aller Kohlen- und Gemüsehändler war, wird Carl Borgward durch den  Lloyd zum reichen Mann.

Als die Ansprüche der Autofahrer Mitte der 50er-Jahre größer wurden, gelang  dem Autokonstrukteur mit der eleganten Isabella sein größter Erfolg. Im Jahr 1960 stand Borgward sogar an dritter Stelle der deutschen Autoproduzenten. Ein Jahr später rächten sich jedoch kapitale Management-Fehler und Borgward ging pleite. Im Sommer 1961 brach der Bremer Auto-Konzern unter großem Aufsehen dann vollständig zusammen.

Mercedes-Benz W201: Ein Baby-Benz

Montag, 7. Juni 2010

Mercedes-Benz W201

Der W201 oder auch Baby-Benz (vor der A-Klasse) genannt, ist der erste Mittelklassewagen von Mercedes-Benz und gilt als der Vorläufer der C-Klasse. Er zielte vor allem auf die Käuferschicht des erfolgreichen BMW 3er ab. Er kam Ende 1982 auf den Markt und wurde bis 1993 mehr als 1,8 Millionen Mal gebaut. Damit zählt er zu den erfolgreichsten Modellen von Mercedes-Benz. Durch die große Nachfrage musste man verhältnismäßig hohe Wartezeiten in Kauf nehmen.

Das neue Design mit dem relativ kurzen, hohen und sich verjüngenden Heckabschluss hatte nicht viel mit den bisherigen Mercedes-Modellen gemeinsam. Die Proportionen des W201 blieben in den Grundzügen bis zum W203 erhalten. Auch war der W201 der erste Mercedes, der äußerlich – mit Ausnahme des Kühlergrills – gänzlich auf Chromschmuck verzichtete. Der cw-Wert liegt nach Angaben von Daimler-Benz von 1983 bei 0,33. Der W201 verfügte über eine selbsttragende Stahlkarosserie, Dämpferbeinachsen mit Dreieck-Querlenkern vorne sowie Schraubenfedern und Stabilisatoren. Als erster Mercedes-PKW hatte er hinten eine Raumlenkerachse mit jeweils zwei Querlenkern sowie Zug- und Schubstreben (fünf Lenker pro Rad) eingebaut. Desweiteren waren hinten Schraubfedern und Stabilisatoren sowie Scheibenbremsen rundum verbaut.

Die Motorenpalette reicht bei den Benzinern von einem 190er mit 90PS bis hin zu einem 190 E 2.5-16 Evolution II mit 235PS. Bei den Dieselmotoren fängt es mit einem 190D mit 72PS an und endet mit einem 190 D 2.5 Turbo mit 126PS. Aufgrund der Enge im Fußraum wurde anstatt der sonst Mercedes-typischen Fußfeststellbremse eine „normale“ Stock-Handbremse auf der Mittelkonsole eingebaut. Auffällig ist auch der Einarmwischer, der nach Angaben der Merdedes-Benz AG bis zu 86% der Windschutzscheibe wischen konnte. Dies ist auf die spezielle Hubtechnik zurückzuführen, um damit eine größere Fläche abdecken zu können. Dieser fand später auch ab 1984 in der Modellreihe W124 Verwendung. Ende des dritten Quartals 1988 wurden im Rahmen einer großen Modellpflege Änderungen vorgenommen, wie z.B. neu lackierte Stoßfänger und Seitenplanken, neue Sitze mit Neigungsverstellung und Polsterung sowie die Verwendung von Schaumkern anstatt Federkern, höhenverstellbare Gurte vorne, elektrisch beheizbare Außenspiegel und ein elektrisch verstellbarer rechter Außenspiegel.

Im Jahr 1992 gab es die Sondermodellreihe „Avantgarde“. Die Reihe bestand aus drei Modellen mit den Namen „Azzurro“, „Rosso“ und „Verde“. Diese wurden in limitierter Stückzahl produziert und verkauft. Die Modelle besaßen zum einen jeweils besondere Lacktöne und zum anderen eine auffällige Innenausstattung. Der Schriftzug „Avantgarde“ befindet sich bei allen Modellen rechts auf dem Deckel des Handschuhfachs.

Im August 1993 wurde im Werk in Bremen der letzte W201 gebaut und dem Mercedes-Benz Museum überreicht. Der Nachfolger des 190er wurde 1993 die C-Klasse (W202).